Schiffsuhr: einst lebenswichtig, heute Nostalgie

06 Feb 10:00 am

Schiffsuhren sind auch bekannt als Chronometer, Schiffschronometer, Längenuhr oder Marinechronometer. Erst nachdem die ersten Schiffsuhren gebaut wurden, konnte die geografische Länge auf hoher See erstmals relativ genau bestimmt werden.

Den Längengrad zu bestimmen war für die Besatzung der Schiffe, welche oft wochenlang auf hoher See verbrachten, lebenswichtig. Denn nur mit dem Längen- und Breitengrad konnten sie ihre genaue Position bestimmen und einschätzen, ob Vorräte und Trinkwasser möglicherweise rationiert werden mussten oder ob sie noch ausreichend Vorräte in ihren Laderäumen hatten.

Über Jahrhunderte hinweg beschäftigte dieses Problem die seefahrenden Nationen. Vor allem aber natürlich die europäischen Großmächte, die in aller Herren Länder einen umfangreichen Kolonialbesitz unterhielten. Denn der Breitengrad, also die zweite wichtige Koordinate, konnte relativ einfach ermittelt werden. War das Ziel der Reise eine bestimmte Insel, musste die Besatzung diese oft wochenlang suchen. Schlimmer als der Zeitverlust wogen die menschlichen Opfer, denn oft waren zwischenzeitlich die Vorräte aufgebraucht oder Krankheiten wie Skorbut ausgebrochen. Deshalb lobte Spaniens Königshaus schon um 1600 einen Preis für die Lösung des Problems aus, in England gab es ab 1714 ein Preisgeld. Doch die ersten Lösungsansätze scheiterten an ihrer Umsetzbarkeit.

John Harrison, der sich das Uhrmachen selbst beigebracht hatte, galt schon 1735 als Verfechter der Schiffsuhr. Aber erst sein viertes Modell, das er 1759 vorstellte, konnte sich schließlich durchsetzen. Schließlich wurden die britischen Schiffe ab dem Ende des 18. Jahrhunderts mit Schiffsuhren ausgestattet.

Der Längengrad lässt sich mit einer Schiffsuhr folgendermaßen ermitteln: Die Uhr wird auf die Zeit eines Ortes eingestellt, dessen Längengrad bekannt ist. Will man nun den aktuellen Längengrad ermitteln, muss zunächst die Ortszeit durch die Beobachtung von Sonne und Sternen ermittelt werden. Anschließend werden die Zeiten verglichen, wobei eine Differenz von vier Minuten einem Längengrad entspricht. Heute sind Schiffsuhren eher nostalgische Reliquien an Bord der Schiffe. Denn die genaue Position wird heute per Satellitennavigation ermittelt.

Bildquelle: SiepmannH/ Pixelio

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