Vom Zeitmesser zum Statussymbol

21 Nov 10:00 am

Die ersten Geräte zum Messen der Zeit bzw. von Zeitintervallen wurden bereits 3000 v.Chr. entwickelt. Sumerer fertigten einfache Sonnenuhren mithilfe eines Schattenstabes. In den folgenden tausend Jahren verbesserte sich die Funktionalität dieser Sonnenuhren. Für eine exaktere Handhabung wurde um 2000 vor Christus von den Babyloniern das Sexagesimalsystem, der Ursprung unseres heutigen Duodezimalsystems für die Stundeneinteilung entwickelt. Auch die Ägypter unterschieden in ihrer Zeitmessung unter Tag und Nacht. Die Taghälfte teilten sie ebenfalls in 12 Stunden ein. Sie verwendeten große Obelisken, um den durch die Sonne verursachten Schattenlauf zu benennen. Parallel zur Sonnenuhr wurde die Wasseruhr entwickelt. Sie basierte nicht auf Beobachtungen der Himmelskörper und konnte daher Tag und Nacht sowie bei strahlendem oder bewölktem Himmel verwendet werden. Wie bei einer Sanduhr wurden bei Wasseruhren geeichte Gefäße verwendet, aus denen eine gewisse Menge Flüssigkeit in einem festgelegten Zeitrahmen austrat. Sinkender bzw. steigender Wasserpegel konnte anhand einer Skala verfolgt und gedeutet werden. Andere skalierbare Möglichkeiten sind die Kerzenuhr oder die Räucherstäbchenuhr.

Der alleinige Sinn der Zeitmessung wurde den erfinderischen Geistern bald zu träge. Die ersten Uhren mit Weckfunktion bestanden aus horizontal abbrennenden Räucherstäbchen. Daran wurden in definierten Abständen Metallkugeln an Schnüren befestigt. Brannte das Stäbchen bis zu der Schnur ab, fiel die Kugel auf ein Metallschild. Von der Anzahl der Kugeln, Fallhöhe und Materialien abhängig wurden verschiedene Geräusche verursacht. Die Uhren waren bis dato noch relativ ungenau. Kerzen und Räucherstäbchen wurden vom Wind beeinflusst, Wasser und Sand von dem eigenen Gewicht. Folgende Generationen versuchten, diese Probleme durch konische Formen auszugleichen. Wasseruhren wurden mit Gongs versehen, oder mit Miniaturen, die stündlich durch ausgeklügelte Mechanismen bewegt wurden. Im 11. Jahrhundert nach Christus wurden bereits Zahnräder verwendet, die durch Wasser angetrieben wurden. 200 Jahre später wurden mechanische Uhren mit Spindelhemmung zum Standard. Diese wurden im Laufe des 15. und 16. Jahrhunderts durch Pendeluhren und federgetriebene Taschenuhren abgelöst. Im 20. Jahrhundert kamen Quarz- und Atomuhren auf den Markt. Uhrengehäuse und Zierrat gewannen mit der Herstellung von persönlichen Uhren unaufhaltsam an Bedeutung.

Das Leben im Mittelalter wurde weitgehenst durch Glockenzeichen bestimmt. Kirch- und Stadttürme gaben die Gebetszeiten bekannt, wann das Stadttor öffnete und schloss sowie Gerichts- und Marktzeiten. Die gewährte Redezeit vor Gericht wurde bereits zu Sokrates Lebzeiten durch Wasseruhren begrenzt. König Alfred der Große erfand ein Uhrsystem aus sechs Kerzen. Die Brenndauer einer Kerze betrug exakt 4 Stunden. Pro Tag verbrachte der König acht Stunden (2 Kerzen) für öffentliche Belange, acht Stunden fürs Gebet und wiederum acht Stunden für Studium, Essen und Schlaf. Das Ansehen von Uhren wuchs seit Christi Geburt bis heute. Kaiser Augustus ließ sich eine 30 Meter hohe Sonnenuhr bauen, deren Skaladurchmesser fast 200 Meter betrug. Der zunehmende Wohlstand und die Zurschaustellung in Schlössern förderten das Image durch den Bau großer Turmuhren. Der Mann von Welt ging im 20. Jahrhundert nicht mehr ohne seine Uhr aus dem Haus.

Bildquelle: Paulwip / Pixelio

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